Teilzeit als Erfolgsmodell: Kerckhoff-Klinik setzt auf flexible Arbeitszeitvielfalt
Teilzeit stärkt Gesundheit und Motivation im Klinikalltag
Bad Nauheim — In der Kerckhoff-Klinik arbeiten 74 Prozent der 1469 Beschäftigten in Teilzeit. Die Personalchefin Selina Rührgartner-Beranek sieht darin kein Problem, sondern einen Vorteil: Die Vielfalt an Arbeitszeitmodellen fördere Gesundheit, Motivation und die langfristige Bindung von Mitarbeitern.
Die Klinik bietet nach Angaben der Personalabteilung mehr als 1000 verschiedene Arbeitszeitmodelle an, von fünf bis 42 Wochenstunden. Am häufigsten reduzieren Beschäftigte ihre Stunden um fünf bis zehn pro Woche, gefolgt von klassischen Halbstellen. Auch Chefärzte und Führungspositionen sind inzwischen in Teilzeit vertreten, ein Zeichen dafür, dass Teilzeit hier als vollwertiges Arbeitsmodell akzeptiert wird.
Flexibilität mit Grenzen
Trotz großer Offenheit gibt es betriebliche Vorgaben: Insbesondere im ärztlichen Dienst muss die Klinik eine bestimmte Zahl von Vollzeitkräften nachweisen, damit Leistungen gegenüber Kostenträgern abgerechnet werden können. Die Personalchefin betont, dass die Klinik deshalb Arbeitszeiten an den Bedarf der Versorgung anpasst und gleichzeitig versucht, individuelle Wünsche der Beschäftigten zu berücksichtigen.
Gründe für die Entscheidung gegen Vollzeit
Die Motive für einen Teilzeitjob sind vielfältig. Ein zentrales Argument ist die Belastung im Gesundheitswesen: körperliche Beanspruchung in der Pflege, emotionale Belastungen durch Angehörigengespräche und schwere Krankheitsverläufe, lang andauernde Eingriffe im OP-Bereich oder die hohe Präzision in medizinisch-technischen Diensten. Kombinationen aus ergonomischen Maßnahmen und Arbeitszeitreduktion tragen laut Klinikleitung dazu bei, dass Mitarbeiter gesünder bleiben und seltener ausfallen.
- Pflege: körperliche und emotionale Belastung trotz technischer Erleichterungen
- OP- und Funktionsdienst: lange Eingriffe und schwere Schutzkleidung
- Medizinisch-technische Dienste: hohe Präzision und Verantwortung
- Verwaltung, Service, Logistik und Reinigung: ebenfalls belastende Aufgaben
Veränderte Geschlechterrollen und Nachwuchs
Die Kerckhoff-Klinik beschäftigt deutlich mehr Frauen als Männer, was sich auch in den Zahlen der Medizinstudierenden widerspiegelt. Viele Frauen kehren nach der Familienphase in Teilzeit zurück. Rührgartner-Beranek stellt fest, dass Teilzeitstellen heute als vollwertig gelten: «Ob ein Arzt zehn, 20 oder 40 Stunden arbeitet, jeder zählt.»
Rückkehr in Vollzeit selten
Die Klinik sichert die Patientenversorgung trotz vieler Teilzeitkräfte. Teilzeit kann sogar die Sicherheit erhöhen, weil ältere oder ermüdete Kräfte seltener die längsten Dienste übernehmen müssen. Anfragen, bei denen Beschäftigte ihre Stunden später wieder deutlich erhöhen wollen, gebe es, aber sie blieben die Ausnahme. Die Klinikführung betrachtet die investive Organisation der Arbeitszeiten als Wettbewerbsvorteil: Motivierte, gesunde Mitarbeiter sind langfristig die bessere Basis für Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität.

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