Verlässliche Versorgung, solide Finanzen: Linnemann skizziert Programm und trifft auf scharfe Kritik
Linnemann setzt auf Versorgungssicherheit, Haushaltsdisziplin und digitale Entlastung
In seiner ersten Etatrede als Bundesgesundheitsminister umriss Carsten Linnemann die Grundlinien seiner Politik: rasche Steuerung von Patientinnen und Patienten an die richtigen Versorgungsstellen, eine Ausrichtung der Ausgaben an den Einnahmen und der Ausbau digitaler Lösungen, die vor allem Zeit für die Betreuung zurückgeben sollen. Für die Beratung des Ressortetats beantragte das Ministerium Mittel in Höhe von 14,4 Milliarden Euro.
In Berlin sprach Linnemann davon, dass eine verlässliche Notfallversorgung Priorität habe und nannte die Notfallreform als Beispiel für konkrete Umsetzungsbedarfe. Er forderte eine Perspektive, in der die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur stabilisiert, sondern mittelfristig gesenkt werden könnten. Zugleich betonte er, dass Digitalisierung kein Selbstzweck sei, sondern danach bemessen werde, wie viel mehr Zeit sie Ärztinnen und Ärzten für ihre Patientinnen und Patienten verschaffe. Im Oktober steht das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen zur Beratung im Bundestag.
Opposition und Koalitionspartner reagieren scharf
Der Etatentwurf stieß in der Debatte auf scharfe Kritik. Paula Piechotta von den Grünen bezeichnete den Plan als unklar und warf der Bundesregierung vor, durch eine Senkung des Steuerzuschusses die Versicherten zu belasten. Aus Reihen der AfD kam der Vorwurf, Gesundheitspolitik nehme in der Regierung keine Priorität ein, während die Linke vor negativen Folgen für die psychotherapeutische Versorgung warnte: Honorarkürzungen könnten zu längeren Wartezeiten auf Therapieplätze führen.
Interne Gräben in der Koalition sichtbar
Deutlich wurden auch die programmatischen Differenzen innerhalb der Koalition. Vertreterinnen der Union forderten Strukturreformen und kritisierten, immer mehr Geld in ein ineffizientes System zu pumpen. Die SPD antwortete mit einem sozialpolitischen Anspruch: Christos Pantazis stellte Reformen als Frage von Gerechtigkeit dar, plädierte für eine echte Termingarantie in der ambulanten Versorgung und machte Vorschläge für eine stärkere Einbindung der Krankenhäuser in die ambulante Versorgung, falls die Sicherstellung nicht zeitnah gelinge.
Pantazis forderte darüber hinaus einen fairen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung und schlug vor, Einnahmen aus einer möglichen Zuckersteuer direkt der gesetzlichen Krankenversicherung zugutekommen zu lassen. Solche Positionen dürften in der Unionsfraktion auf Widerstand stoßen.
Blick nach vorn
Die Etatdebatte zeigte, dass Linnemann nicht nur gegen die Opposition argumentieren, sondern vor allem in der eigenen Koalition moderieren muss. Ob seine Leitplanken aus Versorgungssicherheit, Haushaltssanierung und digitaler Entlastung als Richtschnur ausreichen, hängt nun von politischen Kompromissen und der konkreten Ausgestaltung anstehender Gesetzesvorhaben ab.