IQWiG benennt Lücken im DMP Brustkrebs – Richtlinie soll auf den Prüfstand
Vorbericht zeigt erhebliche Diskrepanzen zwischen DMP-Anforderungen und aktuellen Leitlinien zur Brustkrebstherapie
Berlin – Eine Synopse aktueller Leitlinien hat deutliche Differenzen zwischen evidenzbasierten Behandlungsstandards und den Vorgaben des Disease-Management-Programms Brustkrebs aufgezeigt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses zwölf Leitlinien mit der geltenden DMP-Anforderungen-Richtlinie verglichen und fordert eine kritische Überprüfung.
Nach Angaben des IQWiG betreffen die Abweichungen zentrale Bereiche der Versorgung: Maßnahmen der Primärtherapie, einzelne operative Verfahren, die Strahlentherapie, Aspekte der Nachsorge sowie Diagnostik und Therapie fortgeschrittener Erkrankungen. Auch die Kooperation zwischen ambulanter und stationärer Versorgung stellt sich in Teilen als unzureichend dar.
Der Vorbericht hebt zudem mehrere Themen hervor, die bislang in der DMP-A-RL nicht oder nur unzureichend berücksichtigt sind. Dazu zählen unter anderem:
- komplementärmedizinische Angebote und ihre Einordnung in standardisierte Versorgungswege,
- adjuvante Bisphosphonattherapie,
- biomarkerbasierte Tests zur individualisierten Therapieplanung,
- Mammakarzinom bei Männern sowie Besonderheiten bei Transgender-Frauen und nicht-binären Personen,
- Schwangerschaft in Zusammenhang mit Brustkrebs,
- der Einsatz digitaler medizinischer Anwendungen in Diagnostik und Nachsorge.
Das IQWiG betont, dass es sich um einen Vorbericht mit vorläufigen Bewertungsergebnissen handelt. Fachgesellschaften, Fachöffentlichkeit und andere Interessierte sind eingeladen, bis zum 3. Juli 2026 schriftliche Stellungnahmen über ein Onlineformular einzureichen. Auf Nachfrage werden ausgewählte Stellungnehmende zudem zu mündlichen Erörterungen gebeten, bevor ein Abschlussbericht erstellt wird.
Der G-BA hatte das IQWiG im Oktober des Vorjahres mit der Erstellung der Leitliniensynopse zur Aktualisierung des DMP Brustkrebs beauftragt. Die Ergebnisse sollen die Grundlage dafür bilden, ob und wie die DMP-A-RL überarbeitet werden muss, damit Standards in Leitlinien und Programmvorgaben wieder übereinstimmen und Patientinnen und Patienten eine zeitgemäße, gleichwertige Versorgung erhalten.

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