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Sparpläne des Bundes setzen Kliniken massiv unter Druck

06. Mai 2026

Krankenhäuser drohen Milliardenverluste und massiver Personalabbau

Berlin – Neue Berechnungen des hcb-Institute for Health Care Business zeichnen ein düsteres Bild für die deutsche Kliniklandschaft: Schon im kommenden Jahr drohen den Krankenhäusern bundesweit Einnahmeverluste in Höhe von rund 3,9 Milliarden Euro. Werden die geplanten Sparmaßnahmen umgesetzt, könnten sich die Lücken bis 2030 auf etwa 7,3 Milliarden Euro vergrößern.

Die Studie von Boris Augurzky und Henrik Bergschneider zeigt, dass viele Kliniken nur durch konsequente Kostensenkungen reagieren können. Um die prognostizierten Einbußen auszugleichen, wäre nach Modellrechnung ein Personalabbau von rund zehn Prozent in nahezu allen Berufsgruppen nötig – mit Ausnahme der Pflege, die laut den Autoren zunächst über das Pflegebudget extern gesteuert werde.

Die Folgen wären von erheblicher Tragweite: Der Anteil der Krankenhäuser mit Jahresverlusten könnte sich von derzeit etwa 29 Prozent auf rund 67 Prozent im Jahr 2027 erhöhen, bis 2030 wären nach der Modellrechnung rund 80 Prozent betroffen. Fast die Hälfte der Kliniken würde bis 2030 eine hohe Insolvenzgefährdung aufweisen.

Modellrechnungen zeigen deutliche Verschlechterungen

Die Autorinnen und Autoren berechneten ein Basisszenario ohne Reformgesetz sowie ein Reformszenario unter Einbeziehung der geplanten gesetzlichen Änderungen. Zu den im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Anpassung und Ausweitung der Prüfaufgaben des Medizinischen Dienstes, ein verpflichtendes Zweitmeinungsverfahren für mengensensitive Behandlungen, eine Begrenzung des Pflegebudgets, die Reduzierung der vollständigen Tarifrefinanzierung aller Beschäftigtengruppen sowie die Streichung der Meistbegünstigtenklausel.

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Vollkräfte pro Fall zwischen 2019 und 2024 um etwa 20 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung verschärft die Wirkung der Kürzungen: Ohne Rücklagen in den Kliniken würden Einsparungen kurzfristig praktisch nur über Personalreduzierungen möglich sein.

Kritikpunkte und Handlungsempfehlungen

Die Autorinnen und Autoren sehen das Pflegebudget als wichtigen Kostentreiber der vergangenen Jahre: 2024 entfielen 22,3 Prozent der gesamten Krankenhausleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung auf das Pflegebudget, 2020 waren es noch 18,6 Prozent. Gleichzeitig warnen sie vor den steigenden Kosten durch Behandlungspflege, häusliche Krankenpflege, Fahrtkosten und Krankengeld.

Um Kliniken mehr Handlungsspielraum zu geben, schlagen die Verfasser einen Abbau von Regulatorik vor. Beispiele sind die Abschaffung starrer Pflegepersonaluntergrenzen zugunsten von messbarer Pflegequalität und die Reduzierung dokumentarischer Pflichten. Auch die neuen Notfallstufenstandards des Gemeinsamen Bundesausschusses beurteilen die Autorinnen und Autoren kritisch: Die Vorgabe, bestimmte Fachärztinnen und Fachärzte innerhalb von 30 Minuten am Patienten verfügbar zu halten, verursache erhebliche Mehrkosten, deren Nutzen nach Ansicht der Verfasser nicht eindeutig erwiesen sei.

Die Studie macht deutlich, dass die Sparpläne der Bundesregierung weitreichende Strukturveränderungen im stationären Sektor auslösen können. Politik und Klinikleitungen stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, finanzielle Stabilität, Personalbestand und Versorgungsqualität in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: aerzteblatt.de

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