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Uniklinika: Ein langfristiges gesundheitspolitisches Leitbild fehlt

06. Juni 2026

Uniklinika fordern ein klares, langfristiges Zielbild für das Gesundheitssystem

Die Universitätsklinika sehen sich als zentraler Pfeiler für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Im Gespräch erklärt Professor Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands, warum eine bundeseinheitlich systematisierte Versorgungsstruktur und eine verbindlichere Steuerung dringend nötig sind.

Scholz betont, dass Uniklinika nicht nur Hochleistungsmedizin und Spitzenforschung sichern, sondern in Krisenzeiten auch zentrale Koordinationsaufgaben übernehmen. «Wir verfügen über maßgebliche Infrastrukturen, Forschungskapazitäten und können schnell Personal mobilisieren», sagt er und verweist darauf, dass Kliniken zusammen mit Bundeswehrkrankenhäusern und BG Kliniken im Krisenfall zu Schlüsselakteuren werden.

Koordination und Verbindlichkeit fehlend

Die Vorbereitungen für Szenarien wie den NATO-Bündnisfall seien zwar regional weit vorangeschritten, doch mangele es an verbindlicher Abstimmung und einheitlicher Lageerfassung. Viele Regelungen seien noch nicht verpflichtend umgesetzt. Scholz fordert deshalb, dass das Gesundheitssicherstellungsgesetz klare Vorgaben liefern müsse, damit Steuerung, Lagebild und Zusammenarbeit zuverlässig funktionieren.

Forschung, Translation und Hightech

Auch beim Thema Medizinforschung sieht Scholz Chancen, aber noch offene Fragen. Das Medizinforschungsgesetz sei grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, insbesondere mit Blick auf Beschleunigung von Studienverfahren und weniger Bürokratie. Ob das Gesetz tatsächlich Entlastung bringt, werde sich jedoch erst zeigen. Die geplante Fünf-Prozent-Quote für Probandinnen und Probanden aus Deutschland bewerten die Kliniken als Indikator für die Attraktivität des Standorts.

Für eine Rückgewinnung führender Positionen in Forschung und Translation plädiert Scholz für eine konsequente Hightech-Agenda: schnellere Überführung von Forschung in die Versorgung, bessere Nutzung von Gesundheitsdaten und gezielte Förderung Schlüsseltechnologischer Kompetenzen. Ohne ein übergreifendes Zielbild bleibe vieles aber Stückwerk.

Krankenhausreform und Steuerung der Leistungen

Die Universitätsklinika unterstützen die Intention der Krankenhausreform, sehen aber die Notwendigkeit, Reformen in ein bundeseinheitliches System mit klaren Leistungsgruppen und Qualitätskriterien einzubetten. Entscheidend werde sein, wie Leistungen künftig effizient organisiert und gesteuert werden. Scholz mahnt zugleich Mut vor Ort an: Nur wer Reformen konsequent umsetzt und Prioritäten setzt, könne die Hochschulmedizin stärken.

Finanzierung und Verantwortung

Die aktuelle Debatte um das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und die unzureichende Investitionskostenfinanzierung zeigten, dass noch grundlegende Steuerungsfragen ungelöst sind. Scholz warnt davor, kurzfristige Steuerungslogiken und pauschale Mittelverteilungen einzusetzen, ohne die strukturelle Relevanz von Einrichtungen für Innovation und Versorgungsqualität zu berücksichtigen. Nur eine konsequente Verbindung von Spitzenmedizin, effizienter Steuerung und verlässlicher Finanzierung könne die Versorgung angesichts des demografischen Wandels langfristig sichern.

Abschließend betont Scholz, die Universitätsklinika seien bereit, ihren Beitrag zu leisten. Komme Deutschland in den kommenden Jahren deutlicher voran, wäre das ein Gewinn für Versorgung, Innovationskraft und vor allem für die Patientinnen und Patienten.

Das Interview führte Anno Fricke. Veröffentlichungsdatum: 04.06.2026.

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