Arbeitsmarkt in der Schweiz unter Druck: UBS, IT und Exportbranchen treiben Stellenabbau voran
Der Aufschwung stockt: Nettozunahme von Vollzeitstellen fällt auf Tiefstwert
Die Schweiz erlebt einen spürbaren Dämpfer auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 entstanden netto nur 13 850 Vollzeitstellen, der niedrigste Zuwachs seit fünf Jahren und einer der schwächsten Werte im vergangenen Jahrzehnt. Besonders hart trifft es Finanzzentren und Technologiecluster, während Gesundheitswesen und öffentliche Verwaltung weiter Personal aufbauen.
Das Bundesamt für Statistik verzeichnet in drei von sieben Grossregionen rückläufige Beschäftigtenzahlen. Am stärksten betroffen ist der Kanton Zürich mit einem Rückgang von fast 6 100 Vollzeitstellen; die Stadt Zürich alleine weist einen Nettoverlust von rund 4 400 Stellen aus. Die Folgen des Zusammenbruchs der Credit Suisse und die anschliessende Konsolidierung bei der UBS sind ein zentraler Treiber dieser Entwicklung.
Wer verliert am meisten, wer gewinnt
Die Belastungen konzentrieren sich nicht nur auf die Bankenwelt. Betroffen sind:
- Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: Nach Rekorden 2025 folgte ein Rückgang, verstärkt durch Personalabbau bei Grossbanken.
- Information und Kommunikation: Erneute Reduktionen, unter anderem wegen Sparprogrammen bei internationalen Techkonzernen und Auslagerungen.
- Beherbergung und Gastgewerbe: Leichte Abnahmen angesichts schwächerer Nachfrage.
- Sozialwesen: Erstmals seit Jahrzehnten stagnieren oder sinken die Beschäftigungszahlen in Bereichen wie Jugendarbeit und Flüchtlingsbetreuung.
Dagegen wächst die Zahl der Stellen im Gesundheitswesen ungebrochen, angetrieben von demografischem Wandel und steigendem Pflegebedarf. Auch öffentliche Verwaltung und Erziehung verzeichnen Zuwächse, letzteres mit Blick auf Lehrpersonal und Hochschulangestellte.
Regionale Verschiebungen und Ursachen
Neben bankenspezifischen Effekten wirken sich internationale Faktoren aus: US-Zölle treffen exportorientierte Maschinenbauer, was Regionen wie das Espace Mittelland und der Kanton Tessin belastet. Ferner sorgen einzelbetriebliche Sparrunden und Standortverlagerungen für zusätzliche Abgänge. Gleichzeitig ziehen Kantone wie Zug, Solothurn und Graubünden netto Unternehmen an, während Zürich 2025 einen Nettoverlust von Firmen an andere Kantone meldete.
Langfristig relativieren sich die Einbrüche: Seit 2006 wuchs die Zahl der Beschäftigten in der Stadt Zürich um rund 39,2 Prozent. Dennoch bleibt offen, ob Zuwächse im Gesundheitswesen und in anderen Sektoren die Verluste in Finanz- und Techbereichen mittelfristig kompensieren können.
Ausblick
Die kommenden Monate dürften von weiterer Restrukturierung geprägt sein. Entscheidend wird sein, ob innovative Branchenstandorte und regionale Wirtschaftspolitik genug Gegengewicht schaffen, um Arbeitsplätze zu stabilisieren. Für die Betroffenen in Zürich, Tessin und dem Mittelland bleibt die Lage angespannt, während Pflege- und Bildungssektoren als Beschäftigungspolster fungieren.

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