DIW-Studie: Geflüchtete begegnen in den ersten Jahren nach der Ankunft erheblichen Barrieren im Gesundheitssystem
Geflüchtete erfahren in den ersten Jahren spürbare Hindernisse beim Zugang zu medizinischer Versorgung
Berlin — Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, vor allem in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft vielfache Hürden bei Arztbesuchen überwinden müssen. Für die Studie wurden in den Jahren 2023 und 2024 Geflüchtete befragt, die zwischen 2013 und 2022 nach Deutschland eingereist waren.
Die Befragten nannten lange Wartezeiten auf Termine, finanzielle Belastungen und teils große Entfernungen zu Praxen als zentrale Probleme. Hinzu kommen sprachliche Barrieren, unklare Informationen zur Zuständigkeit und komplizierte bürokratische Abläufe, die eine schnelle Behandlung erschweren.
Wie sich die Hürden konkret auswirken
Viele Betroffene berichteten, dass akute Beschwerden sich verschlimmerten, weil Facharzttermine Wochen bis Monate auf sich warten ließen oder weil anfallende Kosten und Fahrwege die Inanspruchnahme verzögerten. In ländlichen Regionen verschärfen lange Anfahrtswege die Situation, in urbanen Zentren führen volle Terminbücher zu langen Wartezeiten.
- Wartezeiten: Verzögerte Überweisungen und volle Terminpläne bei Fachärzten.
- Finanzielle Belastung: Fahrtkosten, Zuzahlungen und unsichere Kostenerstattungen in der ersten Aufenthaltszeit.
- Informationsdefizite: Fehlendes Wissen über Zugangswege, Rechte und bestehende Angebote.
- Sprachliche und organisatorische Barrieren: Mangel an Dolmetschern und komplexe Anmeldeprozesse.
Folgen und Handlungsbedarf
Die Studie betont, dass verzögerte Behandlung nicht nur die individuelle Gesundheit gefährdet, sondern auch zu höheren Folgekosten für das Gesundheitssystem führen kann. Die Autoren sprechen sich für eine Reihe von Maßnahmen aus: bessere Informationsangebote in mehreren Sprachen, leicht zugängliche Dolmetschdienste, mobile oder niedrigschwellige Gesundheitsangebote in belasteten Regionen sowie eine Entschärfung finanzieller Hürden in der ersten Zeit nach der Ankunft.
Politik und Gesundheitswesen stehen demnach vor der Aufgabe, bestehende Lücken zu schließen und Versorgungspfade zu vereinfachen, damit medizinische Hilfe zeitnah und ohne unnötige Barrieren erreichbar ist.

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