Unverzichtbar und gefährdet: Syrische Beschäftigte in Baden-Württemberg
Syrerinnen und Syrer arbeiten vor allem in Gesundheitsberufen, Handel und Handwerk
Baden-Württemberg — Rund 27.720 Syrerinnen und Syrer sind nach aktueller Statistik der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Mehrheit sind Männer (84 Prozent), Frauen machen 16 Prozent aus. Mehr als die Hälfte üben qualifizierte Tätigkeiten aus: etwa 46 Prozent als Fachkräfte und knapp 8 Prozent in Experten- oder Spezialistenfunktionen.
Die Verteilung über Branchen zeigt, wie breit das Engagement der syrischen Beschäftigten aufgestellt ist. Die größten Anteile liegen im verarbeitenden Gewerbe, im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Gerade in Berufen mit akuten Personalengpässen spielen sie eine sichtbare Rolle.
- Verarbeitendes Gewerbe: 15,6 Prozent
- Handel: 13,3 Prozent
- Gesundheits- und Sozialwesen: 11,2 Prozent
Besonders auffällig ist die Präsenz im Gesundheitssektor. Syrische Ärztinnen und Ärzte gehören deutschlandweit zu den größten Gruppen unter ausländischen Medizinerinnen und Medizinern und tragen damit maßgeblich zur Versorgung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bei. Wie die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Henriette Neumeyer, betont, «sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung».
Vor dem Hintergrund politischer Forderungen nach Rückkehrmaßnahmen für Geflüchtete, zuletzt in öffentlichen Debatten nach einem Treffen zwischen deutschen und syrischen Repräsentanten, warnen Expertinnen und Experten vor den Folgen: Würden 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer tatsächlich zurückkehren, hätte das spürbare Auswirkungen auf Branchen, die jetzt bereits unter Fachkräftemangel leiden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung warnt vor einer Verschärfung des Problems und bezeichnet die Folgen als empfindlich für den Arbeitsmarkt.
Für Baden-Württemberg, das im Bundesländervergleich zu den Spitzenreitern bei der Beschäftigung von Syrerinnen und Syrern zählt, bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Zum einen die Sicherung der laufenden Versorgung in Krankenhäusern, Pflegeheimen und im sozialen Bereich, zum anderen die Stabilität in Industrie und Handel. Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit weist zudem darauf hin, dass arbeitslose Syrerinnen und Syrer tendenziell jünger sind als der Durchschnitt — ein demografischer Faktor, der bei einer gezielten Fachkräftesicherung eine Rolle spielen könnte.
Die politische Debatte über Rückkehr und Integration wird damit zu einer Frage der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Arbeitgeber, Gewerkschaften und öffentliche Einrichtungen müssten gemeinsam Strategien entwickeln, um Abhängigkeiten zu reduzieren, Ausbildungswege zu stärken und berufliche Anerkennung zu erleichtern — vorausgesetzt, die Betroffenen bleiben oder kehren dauerhaft nicht zurück. Andernfalls droht in mehreren Kernbereichen eine spürbare Lücke, die kurzfristig nur schwer zu schließen wäre.

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